Der Schirm. Seit mehr als 5000 Jahren unverzichtbares Accessoire

 

Der Schirm und seine Geschichte

Die ältesten bekannten Funde eines Schirms bzw. schirmähnlichen Gegenstandes stammen aus dem orientalischen Raum aus dem Jahr 3000 v. Chr.. Diese ersten Schirme, so genannte Fächerschirme, werden vorrangig dazu genutzt, dem Herrn und Herrscher Luft zuzufächeln oder Schatten zu spenden. Doch auch dem heutigen Schirm sehr ähnliche runde, wenn auch einfach konstruierte Schirme mit gewölbtem Dach, werden von verschiedenen Herrschern und Mächtigen bereits im dritten Jahrtausend vor Christus als Hoheitssymbole eingesetzt. In diesen Fällen dient der Schirm vorrangig als Herrschaftszeichen und soll die exponierte und bedeutende Stellung des Beschirmten betonen.

 

Der Schirm als wichtiges Element der Inszenierung von Herrschern und Königen setzt sich nach und nach auch in anderen Kulturen durch. Das beweisen zahlreiche Funde aus Persien, Griechenland, Asien und Afrika oder auch Indien (1. Jahrtausend v. Chr.). Einzelne Kulturen kennen und nutzen die Schutzfunktion des Schirmes bereits, diese übernehmen die Symbolik als Hoheitszeichen erst später, wie zum Beispiel in China. Dort übernimmt der Schirm erst im Laufe der Jahre neben der Schutzfunktion auch die Funktion der Klassifizierung und Demonstration der Zugehörigkeit zu verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. Schirmform und –farbe wechseln je nach Rang und Beruf des Trägers. Noch im 20. Jahrhundert wird zum Beispiel in Afrika der Schirm als Kultsymbol, vor allem bei religiösen Zeremonien, Fruchtbarkeits- und Hochzeitsriten verwendet und ist gleichzeitig Bestandteil der königlichen Insignien.

 

In Westeuropa hält der Schirm erst sehr viel später Einzug, aber  auch hier offensichtlich zunächst im Sinne eines Hoheitssymbols. Die früheste nachweisbare bildliche Darstellung eines Schirmes in Westeuropa zeigt eine Illustration in einer Psalter-Handschrift, die um 830 in Reims entstanden ist. Dargestellt wird ein Engel, der über dem Haupte König Davids einen aufgespannten Schirm hält und ihn damit deutlich in den Mittelpunkt stellt. Im Mittelalter erhält der Schirm im Christentum große Bedeutung als signifikanter Bestandteil des päpstlichen Zeremoniells. Er ist sichtbares Zeichen Macht und Würde des Papstes und behält diese Bedeutung bis heute. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts ist der Schirm in Westeuropa ein Hoheits- und Rangzeichen und allein den Würdenträgern vorbehalten. Ende des 16. Jahrhunderts dann stellen die Damen des Adels und der reichen Oberschicht fest, was für ein nützliches Accessoire der Schirm zum Schutz gegen die Sonne ist, den Damen der Antike hingegen diente er immer schon auch als Sonnenschutz, ungeachtet der Herrschaftssymbolik. Ende des 17. Jahrhundert entdecken die Damen zusätzlich seine noch heutige vorrangige Bestimmung, nämlich die zum Schutz gegen Regen. Im 17. und 18. Jahrhundert setzt sich der Sonnenschirm mehr und mehr auch in Frankreich, Italien, England und Deutschland durch, zunächst vor allem bei Hofe. Männer freunden sich mit dem Schirm als nützlichem Gebrauchsgegenstand erst Mitte des 18. Jahrhunderts an. Seine Bedeutung als unverzichtbares, modisches Accessoire mit Funktion erlangt der Schirm im 18. und 19. Jahrhundert zunächst bei der Oberschicht, später dann auch bei den Bürgerlichen. Wie wichtig der Schirm in dieser Zeit ist, zeigt die Tradition der Biedermeierzeit, die handgefertigten, kunstvollen Schirme als Familienerbstücke von Generation zu Generation weiterzugeben. Anfang des 19. Jahrhunderts ist es erstmals so, dass der Schirm hauptsächlich als Regenschirm und weniger als Sonnenschirm genutzt wird. Das liegt vor allem daran, dass die Bürgerlichen bisher keinen wirksamen Schutz bei Regen kennen, während die Oberschicht sich nicht für einen besonderen Schutz interessiert. Sie bewegt sich erst in Sänften und später in Kutschen  fort und muss sich somit weder Sonne noch Regen aussetzen. Das führt dann auch dazu, dass der Schirm im 19. Jahrhundert ein wenig von seiner modischen Bedeutung als fester Bestandteil der Garderobe verliert. Er entwickelt sich mehr und mehr zu einem funktionellen Gebrauchsgegenstand. Für alle gesellschaftlichen Schichten.

 

Durch sämtliche Jahrhunderte und Epochen hindurch ist der Schirm zentrales Element in der Kunst. Man findet ihn auf zahlreichen      Gemälden wie zum Beispiel Carls Spitzwegs „Der arme Poet“. Auch Christo, der „Verpackungskünstler“, kann sich der Faszination des Schirmes nicht entziehen und setzt 1991 zeitgleich in den USA (Kalifornien) und in Japan (Ibaraki) sein spektakuläres Projekt „The Umbrellas – Joint Project for Japan and the USA 1984 – 1991“ mit 1.340 blauen Schirmen in Japan und 1.760 gelben Schirmen in den USA um.  

 

Eine Erfindung sucht einen Schirmherrn

Der Schirm in seiner Funktion als Regenschirm setzt sich im 19. Jahrhundert also immer stärker durch. Seine Größe und sein Gewicht  aber machen ihn unhandlich. Viele  „Erfinder“ versuchen darum seit Anfang des 18. Jahrhundert, den Schirm kleiner, handlicher und damit auch leichter zu gestalten. Das Gewicht kann im Laufe der Jahre durch den Einsatz anderer Materialien effektiv reduziert werden. Nachdem die Schirme ursprünglich hauptsächlich aus Fischbein, Messing und Holz gefertigt werden, setzt sich nach der industriellen Revolution das Metallrohr für Stock und Schiene durch. Neben dem Gewichtsvorteil sind eindeutige Produktions-vorteile überzeugendes Argument für eine dauerhafte Materialumstellung.  Eine funktionsfähige Klapp-, Teleskop- oder Falttechnik hat bis 1928 allerdings niemand entwickeln können.

 

Auch Hans Haupt, Bergassessor a.D. (1898 – 1954) ärgert sich lange Zeit darüber, dass der Schirm, damals noch obligatorischer Bestandteil der Garderobe, so unpraktisch ist. Für ihn noch unpraktischer als für andere, da er, gehbehindert aufgrund einer Kriegsverletzung, zwar den üblichen Gehstock nicht aber noch einen zusätzlichen Regenschirm mit sich führen kann. Doch Not macht erfinderisch! Und das beweist Hans 1928 mit der Erfindung und Entwicklung des Knirps®, dem ersten Schirm mit Teleskop-Gestell. Im selben Jahr meldet er den Taschenschirm Knirps® zum Reichspatent an, dessen Funktion zunächst am 26. April patentiert und dann mit der Ausgabe der Patentschrift am  23. November 1934 endgültig bestätigt wird. Hans Haupt ist sich seiner Sache von Anfang an sicher und weiß, dass er mit seinem Knirps® eine bahnbrechende Entwicklung in Händen hält. Bestätigt wird ihm dies auch durch das Ergebnis einer zeitgleichen Untersuchung des englischen Patentamtes. Über 3000 Personen geben bei der Frage nach wünschenswerten, zeitnahen Entwicklungen unter anderem den Wunsch nach einem guten Taschenschirm an.

 

Die Modebranche steht dem neu entwickelten Taschenschirm offen und aufgeschlossen gegenüber, ganz im Gegensatz zu den von Hans Haupt im Hinblick auf die Produktion angefragten deutschen Schirmfabriken. Zu Beginn des ersten Weltkrieges als die Deutschen noch führend sind im Bereich der Schirmproduktion und ca. 75% des Weltmarktbedarfes produzieren, wäre es sicher einfacher gewesen, einen investitionsbereiten Produzenten zu finden. In der wirtschaftlich schwierigen Zeit um 1930, geprägt von dramatischem Exportrückgang im Schirmgeschäft, der Abwertung des Pfundes und sinkender Nachfrage nach Schirmen durch den aufkommenden Trend der Regenbekleidung sowie immer häufigerer Benutzung moderner Verkehrsmittel wie Bus und Bahn, halten sich die Fabrikanten jedoch mit Investitionen zurück. Einzig der sehr aufgeschlossene und modern denkende Caspar Wilhelm Bremshey, Inhaber von Bremshey & Co., erkennt die wirtschaftliche Bedeutung die in diesem „Knirps“ steckt, fertigt gemeinsam mit Hans Haupt die ersten Teleskop-Schirmgestelle und lässt Knirps® zeitgleich als Warenzeichen eintragen. Der Knirps® hat seinen Schirmherrn gefunden.

 

 

 

Ein patentierter Winzling erobert die Welt

Die ersten Schritte sind für jeden schwierig, auch für den kleinen Knirps®. Doch dank der fortschrittlichen und innovativen Ideen des Juniorchefs von Bremshey & Co., Fritz Bremshey, wird 1932 ein Knirps®-Damenschirm mit Hilfe eines völlig neuen und unkonventionellen Werbe- und Vertriebskonzeptes eingeführt. Die Idee nach amerikanischem Vorbild, in den Schaufenstern der Schirmgeschäfte die Handhabung des neuen Taschenschirms von Verkäuferinnen, versteckt hinter Paravents, vorführen zu lassen, schlägt ein wie eine Bombe.  Die Zuschauer sehen nur die Hände, die ihnen eindrucksvoll demonstrieren, wie einfach der kleine Taschenschirm mit wenigen Griffen geöffnet, nach Gebrauch wieder geschlossen und danach in fast jeder Tasche verstaut werden kann. Diese Vorführungen sorgen für Massenaufläufe vor den Geschäften, legen den Grundstein für den Siegeszug des Knirps® und machen Knirps® zum nationalen Gesprächsthema.

 

Um den Wettbewerb in „Schach“ zu halten und Knirps® national den Weg zu ebnen, gründet Bremshey schon 1932 das Knirps®-Konsortium. Die führenden Schirmfabriken Deutschlands schließen sich unter Führung von Bremshey zusammen und beziehen zukünftig Knirps®-Gestelle als Halbfabrikate um sie dann unter strenger Einhaltung der Vorschriften mit Bezugsstoffen aus ihrem eigenen Angebotsportfolio zu konfektionieren. So stellt Bremshey sicher, dass sich die Technik der Knirps®-Gestelle schnell durchsetzt und trotzdem jedes Konsortiumsmitglied seine eigenen Vorstellungen verwirklichen und individuelle Produkte anbieten kann. Jedes Unternehmen des Konsortiums, verpflichtet sich zu einheitlichen Abnahme-Preisen, gestaffelt nach Modellen und Qualitäten. Einzelhändler müssen gar pro verkauftes Gestell eine Abgabe für die gemeinsame Werbung leisten, der gleiche Betrag wird von Bremshey noch einmal erbracht. So stellt er sicher, dass Knirps®-Werbung kontinuierlich und bundesweit stattfindet. Preislich positioniert Bremshey Knirps® im oberen Preissegment und dort ist Knirps® auch heute noch angesiedelt. Der Preis für einen Damenschirm liegt 1932 bei 12,50 RM, der wöchentliche Nettoverdienst eines Fabrikarbeiters bei ca. 25,70 RM. 2006 werden Knirps®-Produkte in unterschiedlichen Preissegmenten von 39,95 Euro bis zu 500,- Euro, zum Beispiel für limitierte Sonderauflagen oder handgefertigte Produkte, angeboten.

 

Ende der dreißiger Jahre bringen mehrere Unternehmen einen Teleskop-Taschenschirm, die ersten echten Knirps®-Kopien, auf den Markt. Bremshey erkennt rechtzeitig, dass er sich jetzt durch strategische und konsequente Markenpolitik vom Wettbewerb differenzieren und in den Köpfen der Verbraucher als „einzig wahrer Taschenschirm“ etablieren muss. Die Erfolge geben ihm und seiner Marken- und Produktpolitik Recht. Keine der anderen Marken schafft es, so erfolgreich zu werden wie Knirps®. Eine groß angelegte Marktforschung in 1973 bestätigt das: 95% der deutschen Bevölkerung beantworten die Frage ob sie eine Schirmmarke kennen würden mit: „Ja! Knirps®.“ Und so beantworten die Verbraucher diese Frage auch 1999, im Rahmen der letzten groß angelegten Marktforschungsuntersuchung. Deutschlands Verbraucher sind sich einig: Die bekannteste und beliebteste Schirmmarke heißt Knirps®!

 

Bremshey & Co. – Ein bemerkenswertes deutsches Unternehmen 

Der westfälische Bauernsohn und gelernte Schlosser Caspar Wilhelm Bremshey (1826 - 1899), gründet 1862 das Solinger Unternehmen Bremshey & Co.. Beginnend mit der Herstellung von Kassenschlössern und der mechanischen Massenherstellung von Waffen muss er seine Produktion nach dem deutsch-französischen Krieg (1870 – 1871) auf andere Produkte umstellen. So entsteht 1876 die erste Schirmfurniturenfabrik Bremshey & Co. KG. 1885 erhält er die „Goldene Medaille Weltausstellung Antwerpen“.  Der Ausbau der Firma, jetzt unter Führung seiner Brüder und Söhne, geht stetig voran und 1934 wird das Herstellungs-Programm zusätzlich um Autositze und Zubehör erweitert. 1936 dann wird die Produktion von Stahlrohrgeräten für Ladenausstattungen aufgenommen um 1939 die Fabrikation auf kriegswichtige Produktion umzustellen. Nach Kriegsende wird 1946 die Produktion wieder aufgenommen und 1948 mit der Fabrikation der Sitze für die Deutsche Bundesbahn ein großer und wichtiger Auftrag an Land gezogen. Das Produktportfolio außerhalb des Schirms wird 1952 durch die Fertigung von Stahlrohrmöbeln und 1955 durch die Einführung des rollbaren Klapptisches „Dinett“  erweitert. Ende der siebziger Jahre führen starke Konzentrationsbewegungen in der gesamten Schirmbranche zum Konkurs vieler Schirmfabrikationen. 1982 muss auch Bremshey & Co. Konkurs anmelden und das Unternehmen Kortenbach & Rauh erwirbt sämtliche Rechte an der Marke Knirps®, zusammen mit dem Markennamen „Knirps® International“. Bis zum Jahr 2000 ist Kortenbach & Rauh alleiniger Produzent und Distributeur des Markenartikels der nach dem Zweiten Weltkrieg für den heimkehrenden amerikanischen Soldaten neben den deutschen Burgen, der Aktentasche mit Butterbroten, der Lederhose und dem Dirndl zum Inbegriff des Deutschen wird.

 

Mit der Gründung der Knirps® GmbH in 2001 wird  man wieder konsequent dem Marketinggedanken und der strategischen Ausrichtung der Marke gerecht, überarbeitet und reduziert Gestellvielfalt und Artikelanzahl auf der einen Seite, Markenauftritt, Logo und PoS-Präsentation auf der anderen Seite.

 

2003 wird in Solingen die Knirps® Licence Corporation GmbH & Co. KG mit dem Geschäftsziel der internationalen Lizenzvergabe der Marke Knirps® gegründet. Doppler Schirme sichert sich gemeinsam mit seinem Schweizer Partner Strotz AG in 2004 durch die Übernahme der Stimmrechts-Mehrheit an diesem Unternehmen zunächst die Produktions- und Vertriebslizenz der Marke Knirps® für Deutschland und Österreich, den wohl wichtigsten Märkten. Unter der Firmierung Knirps ® Licence Corporation GmbH & Co. KG mit Sitz in Pfarrkirchen, Niederbayern, unter der Geschäftsführung von Michael Lackner, ist das Unternehmen seit November 2005 ein 100%iges Schwesterunternehmen des europaweiten Marktführers Doppler und seines Schweizer Partners Strotz AG.

 

Der Knirps® – seine wichtigsten Produkt-Etappen

Hinter der bekannten Marke mit dem roten Punkt verbirgt sich eine fast 80-jährige Geschichte, die spiegelbildlich die Entwicklung der wirtschaftlichen Situation des Landes repräsentiert. Und seine technischen Entwicklungen demonstrieren das Verständnis der Anforderungen der jeweiligen Zeit. Von Anfang an ist die Entwicklungsarbeit darauf ausgerichtet, innovative Konstruktions-lösungen, modernste Materialien, zukunftsweisendes Design und höchste Qualitätsansprüche im Einklang mit modischen Trends und Verbrauchergewohnheiten umzusetzen. Dies wird mit zahlreichen, richtungweisenden Produkteinführungen stets aufs Neue bewiesen.

 

 

Nachdem 1932 der erste Knirps®-Damenschirm – noch mit sehr langen Griffen mit Quasten und Troddeln daran und vergleichsweise kurzen Schienen und damit einem Durchmesser der heute eher einem Kinderschirm entsprechen würde - erfolgreich eingeführt wird, wird 1938 das Angebot um einen Herren-Knirps® erweitert. Geänderten Verbrauchergewohnheiten, zum Beispiel steigenden Neuzulassungen von Autos (ca. 800.000 im Jahr) wird in 1953 mit der Einführung des Auto-Knirps® Rechnung getragen. Das Auto-Modell ist schlicht, etwas kleiner und handlicher als die bisherigen Produkte und soll als „Zweitschirm“ im Auto deponiert und bei Bedarf immer griffbereit sein. In den Fünfzigern ist der Damenschirm unverzichtbares Accessoire neben Hut, Handschuhen und Handtasche. Abgestimmt auf die schmale Silhouette der Kleidung ist auch der Schirm schlicht, elegant und wenig voluminös. So passt das 1955 eingeführte Damen-Sportmodell perfekt zur damals aktuellen Mode. Dem Starkult der Sechziger, von dem vor allem die Teenager befallen sind, wird 1960 der Star-Knirps® gewidmet, ein echtes Highlight ist aber das Modell „Starlett“, der erste Langschirm mit einem ausgeklügelten Öffnungs- und Schließmechanismus.  1965 dann die Einführung des ersten Knirps® mit automatischem Öffnungsmechanismus der die Handhabung deutlich vereinfacht und bis heute ein wichtiges Merkmal bei Knirps® ist.

 

Während für Frau der Schirm ein selbstverständliches Accessoire ist, trägt Mann bis in die sechziger Jahre nur zum Anzug und zu offiziellen Anlässen einen Schirm. Erst in den Siebzigern, als das triste Schwarz und langweilige Grau durch hellere Farben und lebhaftere Muster ersetzt wird, kaufen vermehrt auch Männer den Knirps®. Vielleicht ist auch der Wegfall des Hutes, der seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr zur Kleiderordnung des eleganten Herrn gehört, verantwortlich für das neue Interesse des Mannes am Schirm. Für den Mann und seine Aktentasche ist dann auch das erste rechteckige Modell von 1968 gedacht. Dieser Flachschirm oder auch so genannter Etui-Schirm passt aufgrund seiner Form nicht nur deutlich besser in die Aktentasche, sondern trägt auch in der Manteltasche weniger auf als der bisher übliche, runde Taschenschirm. Knirps® entwickelt sich zu einem Statussymbol, egal welches Modell.

 

Weitere prägnante und den Markt prägende Entwicklungen sind der Jumbo-Knirps® (1977), der erste Schirm mit überdimensionalem Schirmdach – und wer erinnert sich nicht mehr an die Werbeidee, diesen Schirm mit einem Elefanten zu bewerben, selbstverständlich schützt der sich vor Regen mit dem neuen Jumbo-Knirps®; der 3-fach faltbare Knirps® Minimatic mit automatischem Öffnungsmechanismus und der aufgrund seiner unglaublich Kraftsparenden und einfachen Handhabung inzwischen zu einem Klassiker gewordene  Knirps® Topmatic SL, beide 1990 zum Patent angemeldet, der Knirps® Gartenschirm oder auch der Knirps® Sonnenschirm der 1995 als wirksamer Schutz vor zu hoher Belastung durch schädliche UV-Strahlen aufgrund des damals viel diskutierten Ozonlochs eingeführt wird. 1997 revolutioniert mal wieder ein Knirps® den Schirmmarkt: Der 3-fach teleskopierbare Knirps® Duomatic mit seinem automatischen Öffnungs- und Schließmechanismus. Der Markt erkennt den unschlagbaren Produktvorteil und die damit verbundenen Absatzchancen sofort und ordert gleich in der ersten Saison im sechsstelligen Bereich. Dieser Mechanismus ist bis heute fester Bestandteil bei zahlreichen Modellen sämtlicher Linien. Sehr innovativ auch der Knirps® FiberT1 mit seiner neuartigen und ungewöhnlich leichten und unempfindlichen Alu-Röhre als Etui. Dieser 2002 gelaunchte Schirm gewinnt prompt im Jahr 2003 den bekannten und wichtigen deutschen Designpreis „red dot award“ und ist noch heute eines der meist verkauften Produkte. Zahlreiche weitere Entwicklungen haben während all dieser Jahre  dazu geführt, dass der Knirps® technisch immer ausgereifter und besser wird. Das letzte Ergebnis ist der bisher kleinste und innovativste Knirps® der 2004 unter dem Namen Knirps®X1 dem Handel vorgestellt und weltweit erfolgreich eingeführt wird. Sein außergewöhnliches Design wird wie schon so viele Produkte vorher durch zahlreiche Designpreise wie zum Beispiel dem „Best Design award“ (Neuseeland), dem „IDSA“ (USA) oder dem „Good Design Award“ (Japan)  bestätigt.

 

Die Kollektion heute ist unterteilt in vier Produktlinien: AluLine, FiberLine und SteelLine. Diese drei Linien bezeichnen das jeweils für Stock und Gestänge eingesetzte Material mit seinen unterschiedlichen Vorteilen. Bei allen Linien kann sich der Kunde für einen von drei Öffnungsmechanismen entscheiden. Angeboten werden eine manuelle und eine automatische Öffnungsvariante sowie das so genannte Duomatic-System dem ein automatischer Öffnungs- und Schließmechanismus zugrunde liegt. Hat der Kunde sich für seine individuell bevorzugte Technik entschieden, kann er aus zahlreichen Farben und Dessins auswählen. Bei der vierten Linie handelt es sich um die Linie X1 unter der alle Produkte dieses innovativen Schirmes angeboten werden, auch die limitierten Editionen wie zum Beispiel der Knirps®X1 SPORTS limited edition (2006) genauso wie der elegante und luxuriöse Knirps® Stockschirm (2005) mit 150 von Hand eingelegten, geschliffenen Swarovski-Kristallen im Griff. Die Kollektion wird zweimal jährlich überarbeitet und bietet somit neben dem Standardprogramm immer auch Schirme in den jeweiligen Trendfarben und Dessins der Saison, passend zur aktuellen Mode. Unter Knirps® gab es neben den unterschiedlichsten Schirmen aber auch schon ganz andere Produkte wie zum Beispiel Handtaschen mit einem speziellem Regenschirm-Fach, Reise-Gepäck oder Regenmäntel unter der Marke Knirps®Travel Coat® und sogar passende Gummistiefel.

 

Knirps® steht für Innovation und Zeitgeist und wird dieser Zielsetzung auch künftig treu bleiben und dies mit immer neuen Entwicklungen und ungewöhnlichen Produkten unter Beweis stellen.

 

Der Knirps® und die Werbung

Die Geschichte des Knirps® ist nicht nur die Geschichte eines revolutionären Produktes, sondern immer auch die Geschichte der Entstehung einer der bekanntesten deutschen Marken, eines Mythos. Schon die Weitsicht von Caspar Bremshey, Knirps® bereits 1928 als Warenzeichen eintragen zu lassen und nur wenige Jahre später, in 1932 die erste groß angelegte Marktuntersuchung durchzuführen, zeigt die für die damalige Zeit ungewöhnliche und fortschrittliche Art und Weise, den Markt zu analysieren und seine  Produkte strategisch richtig zu positionieren und erfolgreich zu vermarkten. Eine wichtige Rolle übernimmt das Logo. Seit den fünfziger Jahren wird konsequent jedes Produkt, jede Anzeige und jedes Poster mit einem einheitlichen Knirps®-Logo versehen. In regelmäßigen Abständen wird das Logo überarbeitet und dem veränderten und zeitgemäßen Designverständnis angepasst. 1969 wird der „Rote Punkt“ als Warenzeichen eingetragen. Gleichzeitig gilt er für den Endverbraucher als Qualitätsversprechen und Garantie-zeichen. Mit Hilfe dieser konsequenten Markenpolitik gelingt es Knirps® auch, sich gegen die Flut  billiger Taschenschirmkopien durchzusetzen und bis heute die Nummer 1 am Markt zu bleiben. Bis zum jetzigen Zeitpunkt steht der „Rote Punkt“ stellvertretend für Knirps® und gilt national wie international als das Erkennungs-merkmal.

 

Eine der Grundsäulen dieser Entwicklung ist sicher die stets konsequente Markenpolitik und die fortschrittliche Kommunikation rund um die Marke Knirps®. Von Anfang an entwickelt Bremshey emotionale und imagebildende Konzepte sowie verkaufsfördernde Marketingaktivitäten für den Point of Sale. Dazu gehören in den 50er und 60er Jahren moderne und hochwertige schwarz/weiß-Fotos die modische Mannequins in perfekten Outfits mit dem Schirm als wichtiges und unverzichtbares Accessoire zeigen genauso, wie Anzeigen in Tages- und Frauenzeitschriften. Mit dem Werbespot 1968 ist Knirps® die erste Schirmmarke die überhaupt Fernsehwerbung macht. Danach ist der Knirps® erst recht in aller Munde und ganz schnell spricht die Nation nicht mehr vom Regen, sondern vom „Knirps®-Wetter“. Der Handel erhält von Anfang an viel Unterstützung, vor allem im Hinblick darauf, wie Funktion und Handhabung des Knirps® dem Kunden am besten demonstriert werden können. Dazu wird 1952 die Zeitschrift „Die Knirps®-Verkäuferin“ eingeführt und 1957 mit der Eröffnung der Knirps®-Verkäuferschule eine neue Ära in der Handelsbetreuung und –schulung eingeläutet. Die monatliche Zeitschrift „Die Knirps®-Verkäuferin“ im handlichen DIN A 5-Format wird allen Verkäuferinnen kostenlos zugesandt. Auf rund 40 Seiten erfährt die Verkäuferin Aktuelles aus der ganzen Welt rund um Knirps®, egal ob es sich um den Besuch Finanzministers im Werk in Solingen handelt oder um Untersuchungs-Ergebnisse die die Situation des Fachhandels darstellen. Wichtige wirtschaftliche Entwicklungen werden genauso kommentiert wie Modetrends und Farben. Das Inhaltsverzeichnis mit seinen Rubriken „Aktuell“, „Werbung“, „Geschäftskunst“, „Verkaufskunst“, „Unterhaltung“, „Das ist bei uns passiert“ und „Wir gratulieren“, macht die Zeitschrift zu einer beliebten und gleichzeitig lehrreichen Lektüre, nicht nur für die Knirps®-Verkäuferin sondern auch für ihre Familie. Die  1957 gegründete Knirps®-Verkäuferschule hat die Zielsetzung, das Knirps®-Fachpersonal dahingehend auszubilden, alles Wissenswerte über den Knirps® zu lernen und dies gegenüber dem Kunden kompetent, beratend und freundlich in das Verkaufs-gespräch einfließen zu lassen. Vorsprung und Kompetenz in Marketing, Verkauf und Produkt machen die Marke Knirps® über die Jahre zu einer der wenigen heute noch existierenden deutschen Marken die weltweit bekannt ist. Und in kaum einer Handtasche, einem Auto oder einem Koffer fehlt ein Knirps®. Unter anderem deswegen wird 1988 Knirps® in das Verzeichnis „Deutsche Standards. 100 Produkte, die man kennt und kennen muss.“, aufgenommen.

 

Anekdoten und Geschichten rund um den Knirps®

Rund um den Knirps® gibt es zahlreiche Anekdoten und Geschichten die unter anderem dafür verantwortlich sind, dass Knirps® mehr als nur eine Marke, sondern vielmehr ein Mythos ist. Viele der Geschichten sind dokumentiert in der Zeitschrift „Die Knirps®-Verkäuferin“ und uns dadurch bis heute erhalten.

 

1960 erhält Bremshey den Auftrag, einen Staatsschirm mit 2,50 Höhe und einer Spannweite von über zwei Metern für die Unabhängigkeitserklärung von Nigeria zu konstruieren.

 

Auch soziales Engagement ist Knirps® wichtig. So wird in den 80ern  im Königreich Lesotho in Zentralafrika Entwicklungshilfe betrieben indem dort eine Produktionsstätte aufgebaut wird. Nach einem umfangreichen Training und Ausbildung durch Solinger Mitarbeiter wird dann die Produktionsstätte ausschließlich von Einheimischen geführt. 

 

Knirps®-Modenschauen, Design- und Nähwettbewerbe in ganz Europa rücken den Knirps® als Accessoire in den Mittelpunkt des Interesses und sorgen für Schlagzeilen in der regionalen und überregionalen Tagespresse.

 

Immer wieder taucht Knirps® auch im Zusammenhang mit Prominenten und VIP’s auf. So heiratet z. Bsp.1961 von Bohlen und Halbach an einem regnerischen Tag. Die kunstvolle Frisur der Braut wird natürlich mit einem Knirps® geschützt. Caterina Valente wird ebenso mit einem Knirps® ausgestattet wie andere Schauspielerkolleginnen. Kronprinzessin Beatrix der Niederlande erhält zu ihrer Hochzeit mit Claus von Amsberg am 10. März 1966 ein Knirps®-Auotset mit einem Damen- und einem Herrenmodell. Der Clou: Das Etui ist aus echtem Krokodilleder und eine Sonderanfertigung. Charmant die Erklärung für dieses ungewöhnliche Geschenk: Das junge Paar liebe schnelle Wagen und auch Königliche Hoheiten bräuchten Schutz vor Regen. Und damit ein Autoset von Knirps®. Auch das Weiße Haus mit John F. Kennedy freute sich über die Lieferung mehrerer Knirpse. So konnten die Bodyguards bei gutem Wetter den Schirm schnell und unsichtbar verstauen, bei schlechtem Wetter hatten sie ihn sofort parat um xy und die First Lady vor dem Nass zu schützen. Es gab sogar ein Dankesschreiben aus dem Weissen Haus, für das Geschenk Knirps®.

 

Und wer sich noch an Werbung in den 90ern erinnert, wird sicher auch das Bild der Straßenbahnen und Busse vor Augen haben, die komplett mit Knirps®-Fotos beklebt waren und bundesweit für großes Aufsehen und Gesprächsstoff sorgten. Genauso wie der Einsatz bekannter Persönlichkeiten wie John Steed (Mit Schirm, Charme und Melone), die Kessler-Zwillinge oder auch Mr. Pumpernickel, besser bekannt vielleicht als Chris Howland, Deutschlands erster Radio Disk Jockey.

 

Die große Welt des kleinen Knirps®

Bei Knirps® muss man sagen: „Eine deutsche Marke erobert sich die Welt.“. Lizenznehmer in Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Frankreich, Griechenland, Spanien, Italien, Portugal, Großbritannien, Kanada, Japan, Südkorea, Belgien, Luxemburg und Hong Kong für den gesamten asiatischen Raum sichern die internationale Markenbekanntheit sowie Absatzmärkte. Mit den insgesamt 1800 Händlern und 820 Kauf- und Warenhäusern in Deutschland sowie den tausenden Händlern im Ausland werden jährlich Millionen Stück umgesetzt. Die Produktion heute findet je nach Produkt, in Asien, Schweiz, Italien oder auch in Österreich statt. Die intensiven Qualitätskontrollen sichern aber immer die typische Knirps®-Qualität, egal wo das gute Stück produziert wird. Das Produktdesign erfolgt inhouse in der eigenen Designabteilung, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Rothbucher aus Salzburg oder aber auch mit zahlreichen freien Designern.

 

Und alle Beteiligten haben dabei immer nur ein Ziel: Der nächste Knirps® wird der innovativste, technisch ausgeklügelste und handlichste den wir je hatten!